Führer durch die antike Maremma

Führer durch die antike Maremma Ingrandisci

Von Vulci bis Populonia, vom monte Argentario bis zum monte Amiata

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  • Autore: Herausgeberin
  • Anno: 1997
  • Formato: 15 x 24 cm.
  • Pagine: 320 S., Abb.
  • ISBN: 88-7145-122-8

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Mindestens seit Ende des 19. Jahrhunderts fehlt es gewiß nicht an Werken, die über die verschiedenen Aspekte der Maremma berichten: angefangen bei den Geschichten von den Pferdehirten und Banditen der romantischen Maremma, über die Legenden, die sich um die alten Türme weben, bis hin zu wissenschaftlichen Veröffentlichungen über Archäologie, Geschichte, Natur und Tradition dieses Landstrichs und anderen, teilweise ganz neu erschienenen Schriften zu einzelnen Ortschaften mit ihren suggestiven Namen, wobei wir nicht versäumen möchten, an dieser Stelle besonders auf die von Liebe und Poesie geprägten Texte Alfio Cavolis hinzuweisen.

Es fehlt auch nicht an archäologischen Führern im engeren Sinn: allen voran das klassische Werk von Dennis, „Cities and Cemeteries of Etruria“, das zuerst 1848 und dann noch einmal 1873 in London veröffentlicht wurde und ein für seine Zeit wissenschaftliches Werk war (dabei auch voller Poesie), welches noch heute Gültigkeit hat; 1976 wurde es endlich auch auf italienisch verlegt und 1988 von M.G. Celuzza neu bearbeitet und kommentiert. Aus jüngerer Zeit haben wir hochwissenschaftliche Werke wie „Gli Etruschi in Maremma“, herausgegeben 1981 von M. Cristofani, und das Kapitel über die Maremma im Band „Etruria“ von M. Torelli (1980) in der Reihe der Archäologischen Führer Laterza.

Was es für die Maremma – und im übrigen für den größten Teil von Italien – nicht gab, war ein historischer Führer, der auf der Basis von archäologischen und geschichtlichen Daten eine breitere Übersicht bot als die normalen Veröffentlichungen, die sich traditionell auf die vorklassische und klassische Epoche beschränkten oder im besten Fall bis zur Spätantike vordrangen. Die scharfe Trennung der historischen Epochen in Altertum, Mittelalter und Neuzeit setzt sich hier noch durch, obwohl inzwischen das Konzept der „dark centuries“, die zwischen antiker Welt und Mittelalter gelegen hätten, ausgeräumt ist und jetzt auch bei uns, mit einiger Verspätung gegenüber anderen Ländern, die archäologische Forschung zum Mittelalter eine auch operative Kontinuität zwischen klassischer und mittelalterlicher Welt hergestellt hat.

Andrerseits wird die Kenntnis der Vergangenheit, des langen Entwicklungsprozesses von der antiken zu unserer heutigen Welt, zunehmend ein geistiges Bedürfnis des modernen Menschen: dafür sprechen die weite Verbreitung von historischen und archäologischen Zeitschriften in unserem Land, der ständig wachsende Raum, den Zeitungen und Zeitschriften Nachrichten über Forschungen und Entdeckungen einräumen, die hohen Besucherzahlen bei den immer häufigeren Ausstellungen zu Zivilisationen der Vergangenheit. Und dieses geistige und praktische Bedürfnis spiegelt sich auch in der immer dringenderen Forderung nach Schutz dessen, was aus dieser mehr oder weniger fernen Vergangenheit noch übrig ist, in den Diskussionen und Polemiken über die verschiedenen konservatorischen Eingriffe und nicht zuletzt auch in der kollektiven Erkenntnis der komplexen und vielschichtigen Aspekte, die dem Begriff „Umwelt“ innewohnen, der heute nicht mehr nur die Instanz Natur meint – welche deswegen nichts an Wichtigkeit einbüßt – sondern auch Präsenz und Eingriff des Menschen in einem jahrhundertelangen Prozess gegenseitiger Anpassung – weit entfernt von dem gewaltsamen, traumatischen Einbruch einer schlechtverstandenen Modernität.

Zu den direkten Antworten auf dieses Bedürfnis, die eigene Vergangenheit besser kennenzulernen und beim Aufbau der Gegenwart darauf Rücksicht zu nehmen, kann man verschiedene Ini­ tiativen zählen, die seit mehreren Jahren von staatlichen und örtlichen Organen, von Regionen, Provinzen und Stadtverwaltungen unternommen und großzügig finanziert werden: die Einrichtung von Museen und Ausstellungen, Denkmalspflege, Finanzierung von Forschungsarbeiten an Universitären oder wissenschaftlichen Instituten, Veröffentlichung der Daten und Resultate dieser Arbeiten, oder auch die Herausgabe von archäologischen Karten mehr oder weniger ausgedehnter Gebiete. Als Beispiel kann ich hier die kürzlich erschienenen archäologischen Karten der Provinzen Brescia und Bergamo und der Stadt Como anführen, sowie für Venezien die im Druck befindlichen archäologischen Karten der ganzen Region im Maßstab 1:100.000; für die Toskana beschränke ich mich auf die Erwähnung des kürzlich erschienenen „Atlas der ärcheologischen Stätten der Toskana“(1992), in dem systematisch alle aus Veröffentlichungen und Archiven verfügbaren Daten zusammengefasst wurden und dem die Herausgabe archäologischer Karten aller Provinzen im Maßstab 1:25.000 folgen soll; zu nennen ist auch die Serie „Archäologie – Arbeitsmittel“, die von der Provinz Arezzo mit den Bänden über das Casentino und Val Tiberina begonnen wurde, sowie die archäologische Karte des Territoriums von Cortona in dem Band „Cortona: struttura e storia“(1987), herausgegeben von der städtischen Verwaltung mit dem bedeutsamen Untertitel: Materialen für eine operative Kenntnis der Stadt und ihres Territoriums. Im Vorwort zu diesen Veröffentlichungen wird auf gleichzeitig entwickelte, weitgreifende Pläne territorialer Reorganisation hingewiesen und auf die Möglichkeit, sie bei der Stadt – und Territorialplanung zu berücksichtigen.

Es muß aber noch einmal gesagt werden, daß alle diese Arbeiten noch dem alten Konzept der scharfen Trennung der klassischen Welt vom Mittelalter verhaftet sind, während die Notwendigkeit einer Integration der Daten mit Zeugnissen aus der nachfolgenden chronologischen Epoche zwar ausdrücklich betont, aber bis jetzt nicht verwirklicht wurde.

Besonders aus diesem Grund möchte ich unterstreichen, daß der vorliegende “Führer durch die Antike Maremma“, den Mariagrazia Celuzza konzipiert und herausgegeben hat und in dem sie ein Konzept wieder aufnimmt, das schon in der langen Einleitung zu den Kapiteln des Dennis über die historischen Stätten der Maremma entwickelt wurde, ein Instrument kultureller Information ist, das weit über die traditionellen Werke hinausgeht; denn hier wird die beschriebene konventionelle chronologische Unterteilung aufgehoben und statt dessen werden Baudenkmäler und ihre Überreste von der Vorgeschichte bis zum späten Mittelalter als untrennbare, homogene Zeugnisse der langen Entwicklung der Zivilisation in einen einheitlichen Rahmen einfügt.

In den neunundzwanzig Kapiteln dieses Führers, die meist kulturellen Einzugsgebieten entsprechen und die topographisch vom Territorium Populonias im Norden über die Grenzen der Toskana hinaus bis nach Viterbo im Süden reichen, und so die historische Einheit des Territoriums von Vulci wiederherstellen, führen die Autoren den Leser – und im glücklicheren Fall den intelligenten Besucher – an eine Lektüre der geschichtlichen Formation der Maremma heran. Die Sprache ist klar und beruht auf rigoroser, wissenschaftlicher Genauigkeit.

Längs der vorgeschlagenen Routen finden wir die etruskischen Nekropolen aus der archaischen und aus späteren Perioden und die etruskischen Städte, deren Ruhm groß und deren Reste leider nur klein sind – abgesehen von den grandiosen Stadtmauern: Populonia, Vetulonia, Roselle, Talamone, Vulci und die kleineren Zentren ohne gesicherte Namen, die erst bei den Ausgrabungen wieder zum Vorschein gekommen sind, wie Doganella, Ghiaccio Forte und Orbetello. Dann die Spuren der römischen Durchdringung, die allmähliche Überlagerung einer Zivilisation durch eine andre, die manchmal auf friedliche Weise vor sich ging, öfter aber durch gewaltsame Eroberung, und schließlich zur Herausbildung neuer Zentren, z.B. dem befestigten Cosa führte. Es offenbart sich die andersartige Verwaltung des Landes unter den neuen Herrschern, die Bildung von Latifundien, den großen, von Sklaven bewirtschafteten Villen im Landesinneren und den reichen, herrschaftlichen Villen am Meer; und mit dem Zerfall des Kaiserreiches die Periode der Aufgabe des Landes und des langsamen Absterbens jeglichen Lebens und schließlich die Herausbildung eines neuen sozialen Gefüges, einer neuen territorialen Konsolidierung, die die vorhergehende nicht ignoriert, sondern weiterführt, indem sie das, was noch übrig ist, an die neuen Erfordernisse und die neuen Strukturen anpaßt.

Auf diese Weise kann man, sofern die erhaltenen Reste es erlauben, z.B. im Fall von Roselle (der antiken Stadt, die wohl zusammen mit Cosa am bekanntesten ist) den progressiven Zerfall und das Verschwinden der großen Städte dokumentieren, dem das Phänomen des Burgenbaus folgte, das wiederum am Anfang der meisten heute bewohnten Siedlungen steht, die auf diese Weise an die Stelle der Orte der klassischen Periode treten. All das wird akkurat beschrieben.

Auf diesen Seiten werden die Namen der großen Familien der Feudalzeit wieder lebendig, die diese Gegend beherrschten und von denen Burgen und Paläste noch heute zeugen: die Della Gherardesca, die Aldobrandeschi, die Pannocchieschi, die Alberti, die Orsini treten aus dem Schatten der Legende heraus und erscheinen als solide Protagonisten bei der Geburt neuer Gesellschaftsformen: Dynastien von Erbauern neuer Burgen und Burgdörfer, Förderer neuer Methoden der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen, die schon die Etrusker reich gemacht hatten. Oft waren ihre Kämpfe um Grundbesitz grausam, andrerseits waren sie auch die Gründer vieler Abteien, die für die Wiederbelebung und erneute Bearbeitung der Ländereien sorgten und zumindest teilweise auch die Fäden der kulturellen Erbgüter wieder aufnahmen: eine Kontinuität also, die man nicht unterbrechen sollte und in deren lebendigem Transformationsprozess unsere Gegenwart wurzelt.

Vor uns ersteht eine reiche und teilweise noch unbekannte Vielfalt von historischen Plätzen und Baudenkmälern aus verschiedenen Jahrhunderten mit ihren jeweiligen eigentümlichen Aspekten und unsere heutige Maremma erscheint als eine Region, die ihre eigenen, tiefen, historischen Wurzeln hat und uns in ihrem langen Transformationsprozess vor Augen geführt wird.

Das Buch wendet sich deshalb vor allem an interessierte Besucher, die nicht nur sehen, sondern kennenlernen und verstehen wollen. Aber ich denke, daß es darüberhinaus auch ein sehr nützliches Instrument für alle diejenigen sein kann, die Eingriffe in die Umgebung planen müssen und dies mit größtmöglicher Rücksicht auf die Umwelt tun wollen: für Stadt- und Landschaftsplaner, die nicht zerstören, sondern durch bewußte Gestaltung ein Gleichgewicht bewahren wollen, dem wir die Erhaltung eines wertvollen und relativ intakten Erbes verdanken.

Den Führer vervollständigen ausgewählte Karten und Illustrationen, die das Auffinden und Verstehen erleichtern und Einzelheiten herausarbeiten: nützlich für alle diejenigen, die die Örtlichkeiten besuchen, aber auch für die, die diese nur teilweise sehen können und sich im übrigen auf ein geistiges Durchlaufen beschränken müssen. Aber – so gut sie auch ausgesucht sind – nie können Karten jenes Element ersetzen, das oft auch für das Verständnis des menschlichen Verhaltens in bestimmten Situationen ausschlaggebend ist, d.h. die Natur, die maremmanische Landschaft, die glücklicherweise heute noch zum größten Teil unversehrt ist – trotz einiger gravierender Eingriffe im Namen der sogenannten „Aufwertung“ des Territoriums – und eine Faszination ausübt, die nur der spürt, der sich wirklich hineinbegibt, und die allein die heutige Realität der Region und vielleicht auch das Wesen ihrer Bewohner verständlich machen kann.

  • Autore Herausgeberin
  • Anno 1997
  • Formato 15 x 24 cm.
  • Pagine 320 S., Abb.
  • ISBN 88-7145-122-8

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